Vogelwarte Vorderpfalz – warum Vögel im eigenen Garten wichtig sind

Ein Garten ist nicht nur Genuss für uns Menschen, sondern ist ein Lebensraum und Nahrungsquelle für viele Tiere. Ein lebendiger Biogarten mit Vögeln und Insekten ist nicht nur der perfekte Ort für Mini-Safaris, sondern ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystem. Das Zufüttern von Vögeln, vor allem jetzt im Winter, ist nicht nur nützlich, sondern hat auch mein Interesse am Beobachten von Vögeln geweckt.

Wie ich zum Birdie wurde

Vor einigen Jahren im Urlaub sind wir auf zum ersten Mal mit Vogelbeobachtern (wir nannten sie liebevoll Birdies, siehe Bild) in Berührung bekommen, die statt sich an der Führung auf einer Kaffeeeplantage zu beteiligen, lieber ihre Ferngläser geschnappt haben und Strichlisten zu ihren Beobachtungen geführt haben. Was ich damals ziemlich skurril fand, erlebe ich jetzt manchmal bei mir selbst. Seit wir mehr in und mit der Natur leben, bin ich viel aufmerksamer für die Vogelwelt um mich herum – sei es das passiv wahrgenommene Gezwitscher, aus dem man jetzt Arten heraushört oder das Fernglas, das fast bei jedem Spaziergang dabei ist. Für mich ist es eine Bereicherung, mehr von der Umwelt erleben zu können. Dabei helfen mir auch immer wieder verschiedene Apps1.

Unsere Birdies in Aktion

Leider sind viele unserer heimischen Vögel vom Artensterben betroffen. Seit 1800 hat die Anzahl der Vögel um 80% abgenommen, auch in den letzten Jahren mit Tendenz nach unten. Viele Vögel finden seit der Einführung der industrialisierten Landwirtschaft immer weniger funktionierende Ökosysteme mit Nahrung und Rückzugsorten. Auch wenn dies an vielen Orten bereits erkannt und Biotope als Gegenmaßnahme errichtet wurden, hat dies noch nicht zu einer Kehrtwende geführt. Was die richtigen Maßnahmen auf einer übergeordneten Ebene sind, kann ich nicht bewerten2 – aber ich finde es schön, dass jeder einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, es der Vogelwelt hier wieder einfacher zu machen, z.B. indem man auf seinem Balkon oder im Garten Vögel füttert. Ich freue mich daran, zumindest im Kleinen durch einen naturnahen Garten einer Balance wieder näher zu kommen – und dafür mutige Flugmanöver und schönen Gesang direkt vor der Haustür zu erleben.

Die Vogelwelt in unserem Garten

In unserem Garten tummeln sich im Winter vor allem Kohlmeisen, Spatzen, Amseln, Rotkehlchen, Stare und ab und an eine Blaumeise. Neben Singvögeln bekommen wir aber auch häufig Besuch von Elstern, Tauben, Krähen, Eichelhähern und Turmfalken, sodass eigentlich immer was los ist. Und was freue ich mich, wenn auch wieder der Hausrotschwanz, die Schwalben und der Stieglitz im Sommer zurück sind.

Viele der Singvögel ernähren sich von Insekten, Würmern, Blattläusen und Raupen und sind damit natürliche Schädlingsbekämpfer. Ein Meisenpaar muss zum Beispiel pro Sommer 30 kg Raupen für den Nachwuchs sammeln – da konnten wir wohl im letzten Jahr mit unseren vielen Kohlweisling-Raupen auch nur einen Teil des täglichen Bedarfs stillen. Natürlich sind Vögel nicht nur Freunde, sondern finden auch die Früchte lecker, die eigentlich für uns bestimmt sind – aber mit Netzen und Folien lässt sich die Ernte auch gut schützen.

Auf den Teller – Genuss für die Piepmatze

In einem Naturgarten gibt es einige Möglichkeiten für “natürliche“ Futterquellen, die wir selbst anbauen bzw. stehen lassen können: Samenstände wie z.B. von Sonnenblumen sind sehr begehrt und wurden schon im Spätsommer von den Stieglitzen leer gepickt. Früchte wie Äpfel oder Efeu sind eine wertvolle Nahrungsquellen zum Beispiel für Amseln.

Da diese Ernte für einen Winter nicht ausreichend und irgendwann erschöpft ist, ist es sehr sinnvoll, den Vögeln dann Nahrung anzubieten. Dafür bieten sich Meisenknödel an (am besten welche ohne Plastikhülle und in einer nachhaltigeren Aufhängung), die man direkt in einen Baum hängen kann, überdachte Vogelhäuser, die das Futter vor dem Durchnässen schützen und den Vögeln etwas Schutz bieten oder andere Futterspender. Wichtig ist meiner Erfahrung nach vor allem, konstant zu füttern und im Herbst zu beginnen, sodass die Vögel sich die Orte als zuverlässige Nahrungsquelle einprägen. Beim Futter kaufen wir unterschiedliche Mischungen und beobachten noch, was unseren Gästen am besten schmeckt – Erdnüsse stehen auf jeden Fall hoch im Kurs.

Neben dem Zufüttern gibt es noch weitere Maßnahmen, die ganzjährig helfen, den Vögeln einen angenehmen Aufenthalt im eigenen Garten zu schaffen: Hecken und Sträucher, die Schlafmöglichkeiten bieten sowie Nistkästen und Vogeltränken.

Ich hoffe, ich konnte dich etwas anstecken und einladen zum Beobachten und Füttern von Vögeln. Ich schließe mit einem Zitat von Schriftsteller und Vogelbeobachter Jonathan Franzen:

Der Grund, warum Vögel wichtig sind, wichtig sein müssen, ist dass sie unsere letzte Verbindung zu einer natürlichen Welt sind, die anderenfalls verschwindet.

Nach: Jonathan Franzen

1NABU – Vogelwelt (iOS und Android) & Vogelstimmen-ID (iOS, kostenpflichtig)

2Wen das Thema im Detail interessiert, dem empfehle ich das Buch Vögel füttern – aber richtig von Peter Berthold.

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