Ein Highlight im Frühjahr ist für mich der Geruch von Erde. Sei es bei der Anzucht, den ersten Vorbereitungen im Beet oder auch auf einem Feld – die Würze eines guten Bodens ist unbeschreiblich. Doch lebendige, humusreiche Erde in einem Beet entsteht nicht über Nacht, sondern braucht wie so vieles im Garten Geduld und die Zusammenarbeit mit der Natur. Anlässlich unseres neu angelegten Beets habe ich mich nochmal näher mit den Grundprinzipien guter, biologischer Erde beschäftigt.
Kein Parfum dieser Welt ist so vollkommen
wie der Duft von nasser Erde.
Damaris Wieser
Die Mulchschicht
In unberührter Natur gibt es keine nackte Erde, an jedem freien Fleckchen sammelt sich sofort wieder etwas an. In einem gesunden Wald bedeckt eine lockere Humusschicht den Waldboden und darüber befindet sich ein Meer aus Laub und kleinen Trieben. Dahinter steckt ein gut ausgeklügeltes Ökosystem, das wir uns zunutze machen sollten in unserem Garten. Ein leeres Beet ist Angriffsfläche für Erosion, so dass Nährstoffe bei Regen leichter ausgeschwemmt werden und auf der anderen Seite sehr anfällig für Austrocknung, das sich die Erde kaum vor den Sonnenstrahlen schützen kann. Humusaufbau und ein reiches Bodenleben ist kaum möglich. Daher ist eine Mulchschicht sowohl auf einem bepflanzten, vor allem aber auf einem leeren Beet eine wichtige Maßnahme, um deine Gartenerde zu unterstützen. Dafür eignet sich Schnittgut, Stroh oder Laub. Die natürliche Decke sorgt auch für höhere Temperaturen in der Erde, wodurch mehr Bodenlebewesen aktiv sein können.

Der sehr verbreitete Rindenmulch ist übrigens nur für einige Pflanzen eine gute Mulchschicht. Planzen wie Hortensien oder Rhododendren, die sich in saurer Erde und waldigem Boden wohlfühlen, vertragen diese Mulchschicht gut. Für ein typisches Gemüsebeet ist das aber nicht geeignet, da es den Boden durch die Zersetzung des Rindenmulchs zu sauer macht.

Umgraben verboten – Außer für neue Beete
Eine der für mich größten Überraschungen beim Start des Biogärtnern war, dass das (herbstliche) Umgraben des Gartenbodens ein absolutes No-Go ist, war ich das doch von allen Hobbygärtnern in meinem Umfeld eine der standardmäßigen Aufgaben im Garten. Die sogenannte Frostgare soll helfen, die beim Umgraben entstandenen Schollen durch Frost mürbe zu machen. Auch wenn es sicher schwere Böden und Landstriche mit starkem Frost gibt, wo dies Sinn machen kann, ist es in vielen Teilen Deutschland nicht sinnvoll, sondern sogar schädlich.
Denn so ein Boden ist sorgfältig aus verschiedenen Schichte aufgebautes Ökosystem, mit sauerstoffabhängigen oberen Lagen und sauerstoffärmeren tiefen Schichten. Gräbt man die üblichen 15-20 cm Erde einmal um, wirbelt man das alles komplett durcheinander und die Erde braucht wieder viel Zeit, um eine gute Humusschicht aufzubauen. Diese Arbeit kannst du dir daher getrost sparen. Geeignete Werkzeuge für eine sanfte Lockerung des Bodens sind zum Beispiel eine Grabgabel oder ein Sauzahn.
Wer aber ein neues Beet anlegt oder einen Boden erst urbar macht, kommt um etwas rabiatere Werkzeuge wie einen Spaten nicht herum. Denn irgendwie müssen die Wurzelballen aus Gräsern, Beikräutern und anderen Pflanzen (in unserem Fall Hunderte Zwiebeln von Trauben-Hyazinthen) ja weichen.
Grasnode abtragen, und dann alle Wurzeln entfernen. Für diese doch intensive Arbeit haben wir uns den Kompost-Tumbler zu Hilfe genommen. Übrig geblieben ist feine krümelige Erde mit jeder Menge Regenwürmer und anderen Bodenlebewesen.
Kompost
Kompost ist ein weiteres Beispiel des prima funktionierenden Kreislaufs der Natur . Aus organischen Abfällen wie Schnittgut, welken Blättern und Mist wird neues Leben und Nährstoffe für die kommende Generation. In nur wenigen Monaten wird aus grobem Material dank Rotte (anaerobe, exotermer Prozess der Zersetzung) mithilfe von zahlreichen Mikroorganismen ein weitestgehend homogener, feinkrümeliger tiefbraunes organischer Dünger. Mit etwas Platz für mehrere Kompoststufen, Zeit zum Umschichten und einem Tumbler (zum Beispiel das Sieb siehe oben) kannst du dir jede Menge gekauften Dünger sparen und der Garten versorgt sich mehr und mehr von sich selbst. Den Kompost kannst du jetzt im Frühjahr als Starter für deine Pflanzen nutzen und auf deinen Beeten zur Vorbereitung einarbeiten.

Der größte Mist hat zugleich das Zeug zum Dünger.
Marion Buchheister




