Wir haben ganz schön gestaunt - vor etwa vier Wochen hat unsere mühsam durch den Winter gebrachte Artischocke ihre erste Blüte hervorgebracht - lila, bedornt und auf herbe Art wunderschön. Wir hatten frühestens im Juni mit der ersten Ernte gerechnet… und jetzt sind schon vier Artischocken zu sehen. Aber nicht nur das ist faszinierend an dieser distelartigen Pflanze, von der man ja die Blüte isst - wie ein Geschenk muss sie ausgepackt werden, um an den leckeren Kern zu kommen - nicht umsonst wird dieses besondere Gemüse auch Königin der Gemüse genannt.
Und so entschied ich mich, eine Artischoke zu sein – ein bischen stachlig nach außen, aber mit einem großen Herz innendrin.
Ed Roberts, amerikanischer Aktivist mit schweren Behinderungen aufgrund von Polio. Seinen Kampfgeist formulierte er mit der Metapher der Artischoke, als ein Arzt bescheinigte, dass er den Rest seines Lebens in einer eisernen Lunge wie ein Gemüse vegetieren würde.
Wenn schon Gemüse, dann eben eine Artischoke – I like 🙂

Geschichten-Register
| Die Geschichte | Von draußen | In den Keller | Auf den Teller |
| Krieg um Blüten | Bloß keine Staunässe | – | Mitten ins Herz |
Krieg um Blüten
Die Geschichte
Um die Artischocken ranken sich einige Geschichten – und sogar ein Krieg. Die elegant und doch distanzierend anmutige Gemüseschönheit hat wohl schon immer die Gemüter erhitzt und ist schon lange begehrt. Ursprünglich aus dem arabischen Raum, wo sie bereits seit dem 1. Jahrhundert bekannt ist, brachten sie die Mauren nach Spanien. An ihrem ungewöhnlichen Namen lässt sich die Herkunft noch ableiten: al-haršūf ist arabisch und heißt soviel wie Erddorn, im Spanischen wurde der Name dann in alcachofa abgewandelt. Ab dem 15. Jahrhundert wurde sie vor allem durch Catarina von Medici weiter in Europa verbreitet, und war kurz darauf für ihre angebliche aphrodisierende Wirkung gefeiert. Als die Artischocke dank einwandernder Italiener in USA angebaut wurde, löste das in den 30er Jahren gar den Artischockenkrieg aus: Mafia-Clans fanden die Artischocke so begehrt, dass sie gar ein Anbaumonopol erzwungen, um günstig an der Westküste produzierte Blüten teuer an der Ostküste verkaufen zu können. So viel Drama um ein Gemüse schafft wohl nur eine Delikatesse wie die Artischocke.



In der Blüte 
Verschiedene Sorten im Test
Die Artischocke ist eine distelartige Pflanze aus der Gattung der Körbblütler. Verzehrt wird die knospige Blütenstand, vor allem davon der fleischige Blütenboden. Es gibt unterschiedliche Arten mit grünen oder violetten Blütenblättern, welchen mit und ohne Dornen und in unterschiedlichen Größen. Artischocken haben ein zartes, leicht süßliches, harziges Aroma; besonders ist auch das Phänomen, dass einem alles süß vorkommt, nachdem man Artischocke gegessen hat. Dies liegt an dem in der Artischocke vorkommenden Molekül Cynarin, das kurzfristig die Süße-Rezeptoren im Mund blockiert. Aber auch ihre außergewöhnliche Form macht sie zu einer außergewöhnlichen Beilage; ein Klassiker ist sicher die Zubereitung als ganze Frucht mit separatem Dip, bei der dann das Fleisch an den Hüllblättern mit den Zähnen abgezogen wird, bis man man zum Blütenboden vordringt.
Auch als Heilpflanze sind Artischocken nachgewiesen bekannt: sie hilft bei Verdauungsstörungen, da sie zur vermehrten Produktion von Gallensekret anregt. Darüber hinaus soll sie helfen, den Cholesterinspiegel zu senken.
Bloß keine Staunässe
Von draußen
Als Delikatesse, die nicht überall verfügbar und oft teuer ist, fällt die Artischocke absolut in unser Beute- bzw. Pflanz-Schema. Zum einen ist die Artischocke nicht immer in einer guten Qualität zu kaufen und zum anderen finde ich es immer wieder spannend, außergewöhnlichen Pflanzen beim Gedeihen zuzusehen. Aber dass die Artischocke hierzulande kein typisches Gartengemüse ist, liegt auch auf der Hand: die klassischen Sorten sind mehrjährig, aber auch frostempfindlich. Für uns in der Toskana Deutschlands trotzdem ein Versuch wert mit einer venezianischen Sorte; für andere Regionen in Deutschland gibt es aber inzwischen auch Sorten, die bereits im Pflanzjahr Blüten bilden.

Alle Artischocken sind Sonnenanbeterinnen und brauchen einen vollsonnigen Standort. Der Boden sollte luftig und sehr humusreich sein; sie sind sehr empfindlich gegen Staunässe. Aus unserer Beobachtung ist das sogar das größere Problem als Frost – wir haben im letzten Winter ein mobiles Frühbeet über die Artischocke gestellt und sie so überwintert. Die Pflanze mit ihren zwei- der dreifrach “fiederschnittigen“ dornigen Blättern wird zwischen 50 cm – 2 m groß und braucht daher ordentlich Platz im Beet.
Die Vorzucht kann bereits ab Mitte Januar erfolgen, um die Vegetationsphase maximal zu nutzen. Nach den Eisheiligen darf sie dann ins Beet. Je nach Sorte bildet sich im 1. Jahr nur die Blattrosette und erst im 2. Jahr immer wieder Blüten – bei guter Pflege kann man sie bis zu 5 Jahre beernten.


Dank ihrer Pfahlwurzel kann sie sich im Lauf der Jahre auch immer besser selbst mit Nährstoffen und Wasser versorgen. Aus diesem Grund ist sie allerdings auch nur bedingt für den Topf geeignet – auch wenn wir so eine 2. Artischockenpflanze mit einigen Blattverlust, aber immerhin lebend im Winterquartier durchgebracht haben.
Ansonsten ist die Artischocke aus meiner Sicht aber eher pflegeleicht; nur Schnecken und Wühlmäuse setzen wir manchmal zu.
Mitten ins Herz
Auf den Teller
Erntereif ist die Artischocke, wenn die Blütenblätter beginnen, abzustehen und der Stiel sich von der Blattrosette absetzt. Beim Einkauf im Geschäft ist darauf zu achten, dass sich die Artischocke fest und prall anfühlt und die Blätter keine braunen Stellen aufweisen.
Zubereitungsarten gibt es jede Menge, da je nach Sorte auch die Blätter komplett mitgegessen werden können. Für alle Rezepte gilt aber die gleiche Vorbereitung:
- Die unteren äußeren holzigen Blätter der Artischocke entfernen sowie den Strunk und das obere Drittel der Blätter.
- Anschließend die Artischocke direkt in ein Wasser-Zitronensaft-Mischung legen, um die Oxidation der Blätter zu unterbinden.
- Die Artischocke garen, ca. 20-45 Minuten in einem Topf mit Wasser, Salz und Zitronensaft oder im Dampfgarer. Alternativ kann das Garen auch auf dem Grill erfolgen. Übrigens kann die Artischocke auch roh gegessen werden.
- Entweder vor oder nach dem Garen muss das ungenießbare, da spelzige Heu, entfernt werden.

Artischocken lassen sich auch einlegen, z.B. im gegarten Zustand werden sie oft als Antipasti in Öl konserviert. Andere Zubereitungsarten sind das Grillen von ganzen Artischocken, das Anbraten von kleinen Artischocken in Scheiben oder das Gratinieren von ARtischocken. Da ich selbst noch am Anfang meiner Artischocken-Experimente stehe, kann ich hier noch nicht so viel empfehlen – hier aber mal ein erstes Rezept in Co-Produktion mit dem Hofmeister.
Farfalle mit Lachs und Artischocken
Ein Rezept aus der Heimat des Palmkohls, das nach Sommer schmeckt und sich schnell zubereiten lässt.


Für 2 Personen brauchst du: 250 g Farfalle Pasta, nach Packungsanleitung zubereiten 200 g Stremellachs, in kleine Stücke gebrochen 2 große Artischocken oder 1-2 mittelgroße und mehrere kleine, wie oben beschrieben garen, in mundgerechte Stücke schneiden 200 ml Sahne 100 ml Weißwein 1 EL Butter 1 Zehe Knoblauch, sehr fein gewürfelt Salz, Pfeffer
Nachdem die Pasta und Artischocken gegart sind, in einer Pfanne Butter schmelzen und Knoblauch darin leicht anbraten. Mit Weißwein ablöschen und leicht reduzieren, dann die Sahne dazu. Lachs und Artischocken dazugeben, zum Schluss die Pasta darin schwenken und abschmecken. Buon Appetito!
Danke, wenn du meinen Blogbeitrag bis hier gelesen hast. Da ich gerade am Starten bin, würde es mich sehr interessieren, ob dir der Inhalt gefallen hat, dann freue ich mich über ein Like. Wenn du Anregungen zum Beispiel für weitere Themen hast, etc., dann freue ich mich auch über einen Kommentar. Dann bis hoffentlich zum nächsten Mal. Deine K.