Holunder, schwarzer

Grießbrei mit Holdersaft - das Freitagabend-Ritual meiner Kindheit. Der herbe, leicht saure Saft wurde durch den süßen Brei richtig lecker. Überhaupt war Holdersaft der einzige Saft, den wir immer im Haus hatten - denn Holundersträuche gab es rund um den Hof meiner Eltern mehr als genug. Erst viel später habe ich im Zuge des Hugo-Trends erfahren, dass sich auch die Blüten verarbeiten lassen - zu einem wunderbar blumig, harzig-süßen Sirup. Seither bin ich großer Fan von Holunderblüten - als Sirup oder auch ausgebacken. 

Wie der Hollunder blüht, Rebe auch und Lieb‘ erglüht.

Blühen beid‘ im Vollmondschein, gibt’s viel Glück und guten Wein.

Bauernregel

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Frau HolleÜberlebens-künstlerBlack & White

Frau Holle

Die Geschichte

Holunder – seit Jahrtausenden ein Wegbegleiter des Menschen. Zum einen, weil er wirklich oft am Wegesrand und weniger in Gärten zu finden ist und zum anderen, weil er nachweislich schon in der Steinzeit genutzt wurde. Spannend ist hier die breite Nutzung: als Nahrungsmittel, aber auch als Färbemittel für Textilien und das Holz als Werkzeug. Der Name ist abgeleitet von den althochdeutschen Worten holun (hohl) und tar (Strauch) – und zielt damit auf das weiche Mark der Äste ab. Unsere Vorfahren wussten schon früh diese Eigenschaft des Holunders zu nutzen, indem sie das Mark auskratzen und mit Quarzsand füllten. Dadurch entstand ein robustes Werkzeug.

Darüber hinaus ranken sich viele Mythen um den Holunder – unter anderem glaubten die Germanen, dass der Holunder der Sitz der Göttin Holder (die dann in den Grimmschen Märchen als Frau Holle weiter erzählt wurde) war und brachten ihr Opfer da. Verbreitet ist der Holunder in ganz Europa und Kleinasien; auch innerhalb vom deutschsprachigen Raum zeigen die vielen verschieden Namen, von Fliederbeere über Holler und Holder, wie verbreitet er ist.

Oft findet man wilden Holunder am Wegesrand

Holunder wurde schon früh als Heilpflanze genutzt, da ihr auch viel spirituelle Kraft zugesprochen wurde. Da ich dem aber nicht so sehr Glauben schenke, wenden wir uns mal der nachgewiesenen Wirkung zu: Holunder gilt nachweislich als schweißtreibend; die enthaltenden Glykoside helfen, Giftstoffe auszuschwemmen und wirken unterstützend bei Erkältungen.

Die Beeren sind auch nachweislich sehr gesund und reich an Vitaminen (B und C), Gerbstoffen und Mineralstoffen wie Magnesium und Kalium. Die Blüten haben darüber hinaus viele sekundäre Pflanzenstoffe und sollen helfen, den Kreislauf anzuregen.


Überlebenskünstler

VOn Draußen

Holunder ist zäh – er wächst auch unter noch so widrigen Umständen z.B. im Schotter am Straßenrand oder durch Brombeergestrüpp. Der bis zu sieben Meter hohe Strauch und breitbuschig wachsende Strauch mag es gern sonnig, wächst aber auch im Halbschatten. Er kommt auch gut ohne Schnitt aus, sodass man damit auch im eigenen Garten wenig Arbeit hat.

So ein heimischer Strauch ist natürlich auch auf dem Speiseplan unserer heimischen Insekten, vor allem Raupen, und Vögel. Vor allem die Mönchsgrasmücke und die Wacholderdrossel ernähren sich viel von den Früchten, weitere Vogelarten nutzen den sehr dicht wachsenden Holunderstrauch gern zum Nisten. Die Früchte sind für Menschen allerdings im rohen Zustand giftig, da sie Sambunigrin enthalten.

So ist der natürlich eine tolle Bereicherung für deinen Garten, aber da man ihn auf dem Land oft finden kann, finde ich es persönlich schöner, ihn bei einem schönen Spaziergang zu sammeln – und dabei natürlich immer noch was für die Vögel übrig zu lassen. Wer nich weiß, wo er suchen soll, kann bei Mundraub vorbeischauen.


Black & White

Auf den Teller

So schwarz-lila die Früchte, so cremig-weiß die Blüten. Das Tolle am Holunder ist, dass beides zu sehr leckeren Rezepten zu verarbeiten ist – wobei ich den Geschmack der Blüten klar bevorzuge.

Holunderblütensirup lässt sich in vielen süßen Gerichten weiterverarbeiten oder auch als Süßungsmittel verwenden z.B. in den Tee. Eine Anleitung zum Herstellen vom Sirup findet ihr hier.

Besonders lecker finde ich ich ausgebackene Holunderblüten und das Holunderblüten-Mousse mit Quark und Sahne, das gemacklich super zu Erdbeeren passt. Für die späteren Früchte empfehle ich die Holundersuppe.

Holunderblüten-Mousse

Rezept für 4-6 Portionen:
100 ml Saft (z.B. Quitten- oder Birnensaft) oder Sekt
150 ml Holunderblütensirup
30 ml Zitronensaft
1 P. Vanillezucker
2-3 Blätter Minze (optional)
6 Blatt Gelatine, eingeweicht
200 g Magerquark
300 ml Sahne, steif geschlagen

Saft/Sekt mit Sirup, Zitronensaft und Zucker aufkochen, evtl. Minzeblätter einige Minuten darin ziehen lassen und wieder entfernen, eingeweichte Gelatine in heißer Flüssigkeit auflösen. Etwas abkühlen lassen, dann Quark unterheben und zum Schluss die Sahne. Mindestens 4 Stunden im Kühlschrank fest werden lassen. 

Ausgebackene Holunderblüten

1 Ei, getrennt
1/2 EL Holunderblütensirup
8-10 Holunderblüten
2 EL Zucker
60 ml Milch
65 ml Mineralwasser
100 g Mehl
1 Prise Salz
200 g Pflanzenöl zum Frittieren

Eier trennen, Eiweiß steifschlagen. Restliche Zutaten außer Öl und Blüten vermengen und Eiweiß vorsichtig unterheben. Die Blüten einzeln in den Teig tunken und dann in das heiße Fett setzen, dabei mit dem Stiel etwas nach unten drücken, sodass der Teig fest komplett bedeckt ist. Ca. 2 Minuten frittieren, dann abtropfen und abkühlen lassen. Schmeckt super zu Vanilleeis.

Holundersuppe

300 g reife Beeren
300 g Äpfel, am besten Boskoop
1 EL Speisestärke
Saft einer auspepressten Zitrone
3 EL Zucker

Beeren mit Apfelstückchen ca. 15 Minuten aufkochen und Ziehen lassen. Mass mit Mixer zerkleinern und nochmals aufkochen. Speisestärke mit Wasser anrühren und Suppe binden. Mit Zucker und Zitronensaft abschmecken. 


Danke, wenn du meinen Blogbeitrag bis hier gelesen hast. Da ich gerade am Starten bin, würde es mich sehr interessieren, ob dir der Inhalt gefallen hat, dann freue ich mich über ein Like. Wenn du Anregungen zum Beispiel für weitere Themen hast, etc., dann freue ich mich auch über einen Kommentar. Dann bis hoffentlich zum nächsten Mal. Deine K. 

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