Pflanzlicher Dünger & Pflanzenschutz

Dieses Frühjahr ist es extrem mit den Blattläusen. Ein milder Winter, die Marienkäfer noch nicht geschlüpft – und so bevölkern sie seit Wochen junge Triebe und Blätter der Tomaten, den Obstbäumen und -sträuchern und wollen uns so um unsere Ernte bringen. Gar nicht so leicht in einem Naturgarten – sind die Blattläuse doch auch Teil des Ökosystems, da will ich sie nicht einfach vernichten. Doch Gott sei Dank ist auch „dagegen ein Kraut gewachsen“ und man kann die Natur nutzen, sich selbst in Schach zu halten. Auch die Brennesseln, die sich so langsam wieder im Garten breit machen, kann ich direkt nutzbar machen – als Dünger und Ungeziefer-Abwehr. Genau mein Ding – in Balance mit der Natur. Aber ich spreche trotzdem eine Triggerwarnung aus: besonders lecker wird’s heute nicht 🙂

Gegen viele Pflanzenkrankheiten ist in der Natur ein hilfreiches Kraut gewachsen. Im Biogarten schießt man nicht mit Kanonen auf Spatzen. Die natürlichen Mittel erzielen auf weniger problematische Weise den gewünschten Erfolg.

Marie-Luise Kreuter
Von Blattläusen belagerte Kätzchenweide

Planzenjauchen

Die meisten unserer Nutzpflanzen brauchen mehr als einen guten Boden; sie brauchen auch viele Nährstoffe, um in der Gartensaison schnell und kräftig zu wachsen. Neben tierischen Düngern wie Pferdemist für Tomaten oder Schafwolle und Rinderdung, die ihre Wirkung eher langfristig an die Erde und Pflanze abgeben, können auch pflanzliche Jauchen als Stickstoff- und Kali-Spender eingesetzt werden. Als flüssige Dünger stehen sie den Pflanzen sofort zur Verfügung und versorgen kurzfristig (Wirkung bis zu 2 Wochen) bei schwächelnden Pflanzen für einen Wachstumsschub. Beim Zersetzen der toten Biomasse von z.B. Brennesseln entsteht Ammoniak. Bei der weiteren Zersetzung entstehen in der Reaktion mit Wasser Amminium-Ionen, die Stickstoff enthalten und den Pflanzen in dieser Form in Kombination mit dem hohen entstehenden ph-Wert sehr gut zur Verfügung stehen, also schnell aufgenommen und verwertet werden können. Das entstandene Ferment kann dann 1:10 verdünnt im Gießwasser aufgebracht werden.

Herstellung

Viele Pflanzen eignen sich zur Herstellung von Jauchen. Am bekanntesten ist sicher die Brennessel-Jauche, aber auch Beinwell wird häufig verwendet und ich habe letztes Jahr mit meiner Salbei-Jauche auch gute Erfahrungen gemacht. Die Jauchen aus einzelnen Zutaten lassen sich gezielt für bestimmte Zwecke einsetzen, z.B. soll eine Pfefferminzjauche vor allem gegen Pilzerkrankungen helfen. Aber auch eine kombinierte Pflanzenjauche, die die guten Eigenschaften verschiedener Pflanzen vereint, wird sehr häufig verwendet. Ich würde sagen: es keine ganz exakte Wissenschaft – und wer von was zuviel hat, kann im Zweifelsfall googlen, ob es sich als Jauche eignet und dann untermischen ins Gebräu.

Grundsätzlich sind alle Schritte für die Herstellung von Jauchen gleich:

  1. Pflanzenmaterial (im Frühjahr und Sommer) grob kleinschneiden und in einen (Kunststoff-)Eimer legen. Am besten sollte die Menge den Eimer nicht mehr als 3/4 füllen.
  2. Mit Regenwasser oder abgestandenem Wasser auffüllen, bis die komplette Pflanzenmasse bedeckt ist. Auch hier solle noch etwas Platz nach oben sein, damit der Schaum, der sich im Lauf der Gärung entwickelt, Platz hat und das ganze nicht übersprudelt
  3. Wer den Geruch von Ammoniak nicht so mag, kann der Mischung noch etwas Gesteinsmehl hinzufügen, um den Geruch abzumildern.
  4. Das Gefäß an einen geschützten Orte stellen (ich bevorzuge einen schattigen Ort, wo die Temperaturen konstanter sind) und leicht abdecken. Es soll vor Regenwasser und Tieren geschützt sein, das Gas soll aber entweichen können. In meinem Fall steht der Eimer überdacht und ich lege ein Insektenschutzgitter (Reste von einem Fenster-Stoff) darüber.
  5. Nun braucht es etwas Geduld: jeden Tag muss das Gebräu umgerührt werden, damit die entstandenen Gase entweichen und kein Material oben aufschwimmt. Fertig ist die Jauche, wenn sich das Wasser dunkel gefärbt hat und nicht mehr schäumt. Je nach Witterung dauert das 10 bis 20 Tage.
  6. Danach sollten die noch festen Bestandteile abgesiebt werden und der flüssige Dünger ist einsatzbereit. Auch die Pflanzenreste können noch als Dünger verwendet werden, allerdings am besten auch, wie der Dünger verdünnt, z.B. mit Stroh.

Danach kann die Jauche über mehrere Monate, grob 1:10 verdünnt im Gießwasser aufgebracht werden. In der Verdünnung 1:50 kann z.B. die Brennesseljauche auch direkt auf die Blätter als Abwehr gegen Blatt- und Spinnmilben aufgetragen werden. Die Jauche pur ist recht aggressiv, sollte also in keinem Fall pur aufgebracht werden.

In Frankreich ist der Einsatz von Brennessel-Jauche übrigens verboten – mit der Begründung, dass sie nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht und die Langzeitwirkung bekannt ist. Schon etwas verrückt, dass chemischer Dünger akzeptierter ist als ein Pflanzenkonzentrat, oder?

Pflanzliche Brühen und Tees

Neben Jauchen gibt es die Möglichkeit, aus aufgebrühten Pflanzenteilen einen Tee / Sud oder eine Brühe herzustellen. Bei der Brühe werden die Pflanzenteile nur 24 h in Wasser ziehen gelassen, anschließend wird das Ganze kurz aufgekocht. Bekannt ist vor allem die Ackerstachelhalmbrühe, die zum einen hilft, den unbeliebten Ackerstachelhalm im Schach zu halten und zum anderen soll er gegen Pilzkrankheiten und die Kräuselkrankheit helfen.

Beim Tee wird die Pflanze, z.B. Knoblauch oder Schwarzer Tee mit kochenden Wasser übergossen und ca. 5 Stunden ziehen gelassen. Diese Mischung ist zum Beispiel ein sehr effektives Mittel gegen Blattläuse, die sich durch den Geruch bzw. die Gerbestoffe abschrecken lassen. Vor allem in Kombination mit der Sprühflasche und einem harten Strahl lassen sich die Läuse gut “abschießen“. Mit dem Knoblauchsud (Anleitung z.B. hier) habe ich in den letzten Wochen wirklich gute Erfahrungen gemacht.

Noch schöner ist allerdings, wenn sich, wie seit einer Woche, endlich wieder die Marienkäfer dazugesellen und den Großteil der Läuse als Futter genießen können. So gleicht sich das Ganze dann wieder (fast) von alleine aus.

Marienkäfer und -larven

Kommentar verfassen