Wildkräuter am Wegesrand – Schafgarbe & Spitzwegerich

Heute lade ich dich ein auf einen Spaziergang, einen kleinen virtuellen Walk mit Blick auf ein paar Details am Wegesrand. Als Kind habe ich es geliebt, beim Sonntagsspaziergang aus den verschiedenen Blumen und Gräsern einen Strauß zu sammeln. In den letzten Jahren ist diese Leidenschaft in ähnlicher Form zurückgekommen, da ich nun durch einen etwas geübteren Blick und eine Pflanzen-Identifizierungs-App* viel aufmerksamer durch die Natur gehe und wahrnehme, was vermeintlich Unscheinbares am Wegesrand, aber auch auf einer Wiese im Garten wächst. Und wenn man etwas achtsam auf die vielen Wildkräuter und Blumen achtet, lernt man auch einiges darüber, dass fast alle diese Pflanzen früher einen Nutzen hatten als Heilmittel. Zwei dieser Pflanzen möchte ich euch heute vorstellen: die Schafgarbe und den Spitzwegerich.

*PictureThis und Flora Incognita habe ich ausprobiert und kann ich empfehlen

Gegen das, was man im Überfluss hat, wird man gleichgültig. Daher kommt es, dass viele Pflanzen und Kräuter für wertlose Unkräuter gehalten werden, anstatt dass man sie beachtet, bewundert und gebraucht.

Sebastian Kneipp
Meine liebste Bienen- und Augenweide

Neben Spaziergängen in der Natur möchte ich auch heute ein Plädoyer für ungemähte Wiesen im eigenen Garten aussprechen. Da wir einen Naturgarten anlegen wollten, haben wir auch von Beginn an den Rasen, bzw. was noch davon über war, hochwachsen lassen. Wie die vielen Bienen, Insekten, Schmetterlingen und Vögel freuen wir uns an der Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren in unserem Garten. Denn so wachsen ganz von allein Wildkräuter wie Schafgarbe, wilder Oregano, Beifuß, Johanniskraut und Spitzwegerich hinter dem Haus. Man muss das ja nicht im ganzen Garten so auslegen, aber eine “wilde Ecke“ empfehle ich für jeden Garten. Ein weiterer Vorteil einer Wiese ist auch der bessere Feuchtigkeitsgehalt, die Erde trocknet weniger aus. Gepflegt wird so eine Wiese auch, durch Mähen mit einer Sense oder einem Balkenmäher 1-3 mal pro Sommer. Dies ist auch viel schonender für die Insekten, die sich so besser zurückziehen können als bei einem Rasenmäher. Klingt radikal oder alternativ? Ja, vielleicht. Aber auch wunderschön und mit der ein oder anderen Überraschung. Und damit zu zwei Pflanzen, die bei uns besonders häufig wild im Garten vorkommen und außerdem überall am Wegesrand zu finden sind. Du kannst sie sowohl für medizinische als auch kulinarische Zwecke einsetzen – oder auch einfach beim nächsten Spaziergang bewundern.

Spitzwegerich

Als ich vor einigen Jahren eine besonders heftige Erkältung hatte, entdeckte ich Spitzwegerich für mich. Der Tee wurde in Kombination mit Thymian mein Hauptgetränk und Medizin, da alles nicht so richtig anschlug. Gott sei Dank war ich seither nicht mehr so erkältet, aber dadurch ist mir die Pflanze zum ersten Mal bewusst geworden. Auch im eigenen Garten haben wir sie an vielen Stellen und wer mit offenen Augen durch die Natur geht, sieht den König der Wege (Wege-Rich; das Rich ist Altdeutsch für König) überall. Die länglichen schmalen lanzettartigen Blätter werden bis zu 20 cm lang, mit Blüte wird der Spitzwegerich bis zu 50 cm hoch. Spitzwegerich gilt auch als Zeigerpflanze für einen nährstoffreichen Boden.


Spitzwegerich hat zwei besondere Inhaltsstoffe, die ihn als Heilpflanze interessant machen. Zum einen beinhaltet er Kieselsäure, das das Lungengewebe stärken kann und daher bei Erkrankungen der Atemwege eingesetzt werden kann. Zum anderen enthält es ein natürliches Antibiotikum (Abbauprodukte von Iridoiden), das sowohl äußerlich als auch innerlich angewendet wird. Wer zum Beispiel einen Insektenstich der eine Blase gelaufen hat und unterwegs ist, kann einige Blätter Spitzwegerich nehmen und diese solange zerreiben, bis Saft austritt – dieser Saft kann auf die Wunde auftragen werden und lindert so ganz natürlich die Schmerzen. Diese Wirkung lässt sich auch konservieren z.B. in Form einer Salbe aus Bienenwachs und Olivenöl. Um die medizinische Wirkung wussten auch schon die Eroberer der neuen Welt und exportierten den in Europa heimischen Spitzwegerich nach Amerika.

Auch wenn Spitzwegerich in der Küche keine große Rolle spielt, und auch keinen ausgeprägten Geschmack hat, gibt es von Kräuter-Pädagog:innen die Empfehlung, die Blüten, die ein leichtes Pilzaroma haben, in Öl einzulegen und dann als Antipasti zu genießen. Ausprobieren werde ich auch mal das Rezept der Spitzwegerich-Röllchen, da die sehr festen Blätter des Spitzwegerich sich sicher gut als Hülle eignen. Einige Blätter werde ich auch trocknen und dann in mein erstes eigenes Kräutersalz geben.

Schafgarbe

Schafgarbe war, wenn ich nochmal kurz an meine Kindheit zurückdenke, immer Teil meiner Sträuße. Immerhin war sie in großen Mengen verfügbar und hielt sich auch in der Vase recht gut. Man findet sie sowohl am kargen Wegesrand als auch auf fetteren Wiesen, sie kommt mit vielen Untergründen zurecht. Die bis zu 80 cm hohen Pflanzen mit weißer oder hellrosa Blüte mit den feinen gefiederten Blättern duften auch angenehm zart.

Die Schafgarbe ist in der Naturheilkunde sehr verbreitet. Neben ihrem Namen „-garbe“, der auf das altdeutsche Wort garwe (Gesundmacher) zurückgeht (und die Bezeichnung Schaf bezieht sich wohl darauf, dass Schafe dieses Kraut sehr gerne fressen), sind auch die Namen Frauenheilkraut und Soldatenkraut bekannt. So wirken die verschiedenen Inhaltsstoffe gegen Krämpfe, blutstillend und auch menstruationsregulierend. Verwendet werden dafür sowohl die Blätter als auch die getrockneten Blüten.

Die Schafgarbe lässt sich auch wirklich gut in der Küche einsetzen. Vor allem die jungen Blätter schmecken leicht herb, etwas scharf und ein bisschen nach Muskat. Es eignet sich also sehr gut in einer Kräutermischung, z.B. in einem Salat oder auch in einer Kräuterlimonade.

Für eine Kräuterlimonade, die mich oft an Almdudler erinnert, kannst du nach deinem Geschmack verschiedene gemischte Kräuter wie Minze, Zitronenmelisse, Zitronenverbene, aber auch Schafgarbe und Giersch verwenden. Neben einem Bund Kräuter brauchst du 1 l Apfelsaft (am besten naturtrüb) und den Saft einer Zitrone. Der Saft wird aufgekocht, dann die Kräuter ca. 30 Minuten ziehen lassen. Wer es süßer mag, kann nach Geschmack noch etwas Zucker oder andere Süßungsmittel dazugeben. Wenn der Saft abgekühlt ist nach Geschmack mit Mineralwasser mischen. So erfrischend 😊

2 Kommentare

  1. Avatar von Valerie Valerie sagt:

    Sehr hilfreich, die Anwendungen vor allem, viele Grüße

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    1. Avatar von Kulinatorium Kulinatorium sagt:

      Das freut mich 😊 Ich finde es auch spannend, zu lernen, was man aus Pflanzen direkt vor der Haustür machen kann.

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